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Es gibt ihn ab und zu – den perfekten Tag

Gottfrieds Einstand

Gottfrieds 1. Mitteldistanz für seinen FC Beilngries, gebucht hatte Trainer Andre, Andre als Coach wenige Wochen vor seinem Ironman in Klagenfurt selbstverständlich an der Strecke und laut Gottfried am Sonntag nach dem Wettkampf vor der Siegerehrung „ … doch nur Platz 4…“ – gerade noch mal Glück gehabt und nicht für die Ironman 70.3 WM in Florida qualifiziert. Es gibt so viele Sichtweisen …

Betreuer – der leichtere Job?

Kerstin, Andre, Elfriede und Kreszens als Betreuer und Fans an der Strecke, viel öfters in der „Wechselzone“ als wir Teilnehmer, es kübelt immer wieder. Salztabletten, Foto, Gels, „wo ist Gottfried, wie geht’s Thomas mit seinem Rücken“ – Betreuer zu sein ist so stressig, wo muss ich wann sein, was braucht er von mir, ein schönes Bild soll auch in die Kiste, zwischendurch auf Toilette, habe ich ihn gerade jetzt verpasst. Und Sie fühlen, leiden, freuen sich mit, Sie sind da!

Wachau – Kloster Melk, Donautal, Wein

St. Pölten in der Wachau am 3.6.07. 70.3; Mitteldistanzwettkampf; 1,9km schwimmen, 90km auf dem Rennrad und anschließend einen Halbmarathon laufen – was für eine angenehme Distanz, nicht zu stressig und nicht zu lang, soweit die Theorie. …viele Stars aus Österreich sind am Start.

Eine 70.3 Serie, bei der man sich für die „kleine WM“ über die Mitteldistanz in Florida qualifizieren kann, auch in Wiesbaden, in der Schweiz und sogar in Monaco. Das soll heute nicht unser Thema sein.

Wie im Flug – Freiheit pur

Schwimmen mit kurzem Landgang, 1. Austragung hier in St. Pölten mit lobenswerter Organisation, wir sind im Wasser und von oben kommt noch mehr dazu. Schnell in die Wechselzone und in aller Ruhe umziehen, wir zwei gehören zu den Wechselkönigen, gönnen uns heute jedoch keine Teilmassage, das Schwimmen lief ganz gut. Komplett umgezogen, kalt ist es nicht, es regnet noch immer, mein Nierengurt soll mein linkes ISG – Gelenk schützen. Ich verlasse die Wechselzone, weiße Streifen, mein Hinterrad rutscht nicht nur einmal, „Thomas, mach langsam!“, einige vor mir hatten schon schmerzhaften Bodenkontakt.

Und schon auf der Autobahn, ist kein Witz, leicht abfallend, rein in die Aero-Position und mit 40 Sachen dahin, das macht Spaß – fast wie fliegen, 18km wie auf Schienen, die Profis rauschten mit 60 dahin …Gleichmäßig mit Druck fahren, in einer günstigen Position bleiben und doch den Griff wechseln, aus dem Sattel gehen, das tut einfach gut, einen Pulsmesser benutze ich nicht, das habe ich im Gefühl, kurzzeitig übersäuern ist auch nicht schlimm, bisschen Erfahrung habe ich ja, ob diese mir heute weiter hilft, dass ist die andere Frage. Mit den Kräften haushalten. Wellige Strecke, Sand auf der Straße, ab und zu Zuschauer, nur gut, dass wir die wichtigsten Abschnitte mit dem Auto vorher abfuhren. Ehrlich, bin im Auto am Steuer erschrocken, Gottfried auf der Rückbank ebenso, wir scherzten trotzdem, ich wurde ruhiger, Respekt ist immer gut, auf dem Rad ließ sich das Ganze gut und flüssig fahren, ich liebe ja wellige Strecken, mit meiner Figur bin ich auf flachen Strecken nicht der Roller. Ich arbeitete besonders an den Bergen, ich liebe Berge, viele überholten mich auf der Radstrecke nicht, als relativ schlechter Schwimmer macht das Überholen auf der Radstrecke immer Spaß, ja, wo sind unsere Betreuer, suche immer wieder an der Strecke, finde sie nicht, übersehen, ist schön, wenn jemand da ist, im Wettkampf lebst und stirbst du immer allein. Plötzlich, fast oben am längsten Anstieg bekomme ich Krämpfe, was nun, liegt es an der Position, was muss ich machen, habe ich mich richtig versorgt, meine Begleiter ziehen vorüber, steige aufs Rad, trete locker, wechsle die Positionen und bin verunsichert, gebe langsam wieder Druck aufs Pedal.

Die Schlussetappe naht, nur noch einen Halbmarathon, es geht mir gut, mein linkes ISG-Gelenk tut weh, ist wieder zu, ziehe mich um, leichte Hose und Träger-Shirt, Cap für den Regen, würde am liebsten nackt laufen, alles ist nass und schwer, es gießt aus Kübeln. Mein Ding machen, ablenken, versuchen schnell zu laufen, soweit es geht, freue mich auf Andre, Kerstin,  Kreszenz und Elfriede an der Strecke, Elfriede besorgt mir Salztabletten. Platz und Zeit habe ich nicht, mir geht es gut, genieße trotz Regen diesen Wettkampf und bin schon auf der Laufstrecke. Die erste Runde ist vorüber, kann ich noch zulegen, mein Bauch ist fest, muss trinken und essen und mag nichts, komme ich durch? Die Salztabletten nehme ich von Elfriede dankend an, muss husten, Staub und einen bitteren Geschmack im Mund, schnell nachspülen, fast wie beim Zahnarzt, wenn es nur hilft. Beobachte Mitstreiter, Schwäne, den Regen, die Umgebung, Gottfried schlage ich ab, wir sehen uns das erste Mal im Wettkampf, das tut gut, hatte bisher keine Infos vom Rookie in der M ….Nochmals eine Runde um den Sportplatz und dann ins Ziel, im Stadion, leider sind fast keine Zuschauer da, ich genieße den Zieleinlauf, freue mich und bin zufrieden, suche unsere Betreuer, höre und sehe sie nicht, sind auf der Tribüne, mit Brille wäre es mir vielleicht nicht passiert. Ehrlich, das war gut, bin ergriffen, muss heulen, harte Tage im Job, Spannungen in der Beziehung, Selbstzweifel, gesundheitliche Probleme, Herbstlauforganisation, Homepage, Tage mit null Bock ziehen in diesem Moment wie ein Film vorüber. Geschafft! Es ging gut und ich habe ein so gutes Gefühl, ging so schnell vorüber und es waren doch 4:51 Stunden. Bin ich wirklich schon im Ziel, würde am liebsten noch eine Ehrenrunde drehen.

Ein Traum wird wahr

Sonntag, der Tag danach. Unruhig geschlafen, Emotionen pur, der Blick aufs Stadion, 19. Platz in meiner Altersklasse, die Scheinwerfer leuchten immer noch, laufe morgens, allein, meine Gedanken, die Stimmung, kreuze die Laufstrecke von gestern, das leere Stadion, Schwämme, Gels. Besuche den See, wo alles anfing, der Startschuss fiel, der Hubschrauber kreiste. Komisches Gefühl im Bauch, habe jetzt  beim Schreiben feuchte Hände, die Finger können so schnell nicht schreiben, 11 Plätze für die WM in meiner AK. Ich zur WM? Ja, Geld vorher abgehoben, es gibt ja diese Tage, an denen alles passt, Elfriede wusste nichts davon, wer fliegt, wer mag nicht, wer will nur zur „großen WM“ nach Hawaii? Delegation Beilngries gemeinsam beim Frühstück, sollen wir auf die Platz-Vergabe warten, darf Gottfried als vierter in seiner AK? Großes Festzelt, Buffet, die Stars mittendrin, Pause, anschließend die fast unheimliche Platz-Vergabe. Elfriede und ich drehen draußen noch eine kleine Runde, plaudern, wenn …, vielleicht …, warum …Es spielen sich Dramen ab, der Name fällt, 2., 3. Aufruf, nicht da, Hektik, Handys klingeln und es gießt wieder, Toilette ist jetzt nicht. Nachrücker, Glücksschreie, Tränen, Bewunderung, enttäuschte Teilnehmer und die erdrückende Spannung im Saal. Wer darf auf die Bühne und für seinen Startplatz unterschreiben? Darf ich? Jetzt gibt’s 12 Plätze in meiner AK, wieder fehlt ein Athlet, ein anderer mag nicht. Mein Name fällt, ich schreie laut „JA“, strecke eindeutig wie in der Schule, Geld dabei und ich darf da hoch. Bin dabei, könnte heulen, unglaublich, schaue Elfriede an. Elfriede kennt dieses Gefühl, war auf Hawaii, hat mehrmals die Quali verpasst, oft um einen Platz, Freud und Leid liegen so nah beieinander. Ankommen, genießen, tiefe Befriedigung, pures Glück – unfassbar, Zeit für dieses Gefühl nehmen. Es gibt ja auch die anderen Tage …

 
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